Kaspressknödel: Tiroler Kultur zum Anbeißen (Inklusive Rezept!)
Ein Rezept für echte Tiroler Kaspressknödel?
Patrick schaut ungläubig. Fast so, als wäre er gebeten worden, den Wind zu messen oder die Berge zu wiegen. Als Tiroler und als Koch obendrauf bereitet er Kaspressknödel so zu, wie es sich eben gehört und wie man es im Zillertal und anderswo in Tirol immer schon gemacht hat. Nach Gefühl. Es bedarf einiges an Überzeugungsarbeit, schließlich schickt sich Patrick dann noch an, die kleine Küchenwaage zu suchen. Dabei entsteht eine lebhafte Diskussion über Geschichte und Herkunft, über perfekte Beilagen und kulinarische Todsünden und zur Frage:
Wo gibt es den besten Kaspressknödel der Welt?
Die Antwort wird dich wahrscheinlich überraschen: Wir im Hotel Eden sind lediglich im Stande, die zweitbesten Kaspressknödel des Planeten aufzutischen. Die allerbesten Kaspressknödel sind auf der Gamshütte zu kriegen. Was sicherlich auch daran liegt, dass die wunderschönen Eindrücke der Wanderung ins Sinnesvernügen des Kaspressknödel-Genusses auf der Alm mit einfließen. Doch zurück in die Eden-Küche, wo Patrick sich tatsächlich daran macht, die verschollen geglaubte Küchenwaage abzustauben.
Das Zillertaler Nationalgericht: Der Kaspressknödel
Kaspressknödel sind viel – das wirst du im Laufe dieses Artikels erfahren - aber eines ganz sicher nicht: Dezent. Beim Herausbraten entwickeln sie einen unverkennbaren Duft, der sich mitunter bis zu den Nachbarn ausbreitet. „Würzig“ sagen wir. „Streng“ würden ihn Kostverächter nennen. Auch in Sachen Optik gibt es nicht viel schönzureden: Kaspressknödel sind platte, braune Gebilde, die beim Aufstechen ellenlange Käsefäden ziehen. Warum also haben die Zillertaler ihren „Zerggl“ zum inoffiziellen köstlichen Symbol ihrer Kochkultur auserkoren? Und weshalb streiten sie sich ein paar Kilometer Luftlinie weiter drüben im Alpbachtal mit den Unterinntalern, ob nun Semmelbrotwürfel in den Teig kommen oder nicht? Die Antwort liegt uns auf der Zunge. Wahrlich: Der Zauber der Kaspressknödel entfaltet sich beim ersten Bissen: Dieses Spiel aus Textur und Aroma ist eine Wucht und nur schwer zu beschreiben. Wir finden ja: So ein Kaspressknödel ist viel mehr als die Summe seiner Zutaten. Und das wiederum hat mit seiner Geschichte zu tun…
Vor allem aber mit einer Zutat, die einen eigenen Artikel verdient:
Die Legende vom stinkenden Arme-Leute-Käse, der davonläuft.
Der Graukäse ist ein Kapitel für sich. Wo genau er herkommt, lässt sich nicht mehr sagen. Aber wohl schon Kelten wie Römer kannten Ähnliches. In jüngerer Vorzeit war Graukäse bei den feineren Herrschaften verpönt und wurde verächtlich als Kost für Hungerleider tituliert. Tatsächlich ist der Graukäse ein Produkt, das aus sauer gewordener Magermilch entsteht. Letztere war ein Überbleibsel der Butterproduktion. Ließen die Almleute ihren Graukäse dann allzu lange reifen, kam es schonmal vor, dass er flüssig wurde, also zerlief. Patrick meint, dass so auch die Kaspressknödel entstanden sein könnten. Denn weggeworfen wurde damals natürlich kein Stück Käse. Mit oder ohne Beine. Heute ist der Graukäse eine EU-geschützte Delikatesse. Exakt 130 Gramm davon wiegt Patrick Erler jetzt ab. Nochmal so viel von verschiedenen Bergkäseresten gesellen sich dazu. Und ehe man sich versieht, zerlässt Patrick ein daumendickes Stück Butterschmalz in der gusseisernen Pfanne und beginnt, die Zerggl herauszubraten. Das dauert freilich seine Zeit, aber sonst könnten die Kaspressknödel fast als Fast Food durchgehen, so schnell waren sie zubereitet.
So isst man Kaspressknödel. Und so nicht!
Was jetzt noch fehlt, ist die Beilage und die damit verbundene Qual der Wahl: Sollen sich die Kaspressknödel auf eine sommerlich-frisches Salatmischung betten oder es sich in einer kräftigen Rindsuppe gemütlich machen? Sieh an, Patrick zaubert noch etwas Sauerkraut hervor, das ebenfalls eine Figur an der Seite eines Kaspressknödels abgibt. Eine kulinarische Todsünde hingegen wäre es, sie mit jeglicher Soße zu übergießen. Wer sich das traut, bekommt Hüttenverbot. Für immer und ewig. So ein Kaspressknödel will mit Respekt behandelt werden. Schließlich ist er ein Stück Tiroler Kultur zum Anbeißen. Und hier ist es nun, das Rezept für die zweitbesten Kaspressknödel der Welt. Schickst du uns ein paar Fotos deiner Kreation an info@eden.at?
Zillertaler Kaspressknödel:
Das Originalrezept aus Tux
Deine Zutaten:
(für 4 Personen)
150g Knödelbrot
1 große gehackte Zwiebel
1 gehackte Knoblauchzehe
125ml Milch
130g Schnittkäse gerieben
130g Tiroler Graukäse gerieben
1 gekochter Erdapfel
2 Eier
2 Eidotter
Olivenöl
Schnittlauch, Petersilie, Salz, Pfeffer, Muskatnuss
So bereitest du echte Tiroler Kaspressknödel zu:
Die Milch erhitzen, mit Salz, Pfeffer und Muskatnuss würzen und über das Knödelbrot gießen. Die Zwiebel gemeinsam mit dem Knoblauch in heißem Olivenöl anschwitzen und mit den restlichen Zutaten vermengen. Dabei etwas Käse zum Bestreuen beiseite geben. Die Masse abschmecken und daraus kleine Laibchen formen. Diese in der Pfanne in Butterschmalz beidseitig goldbraun anbraten, sanft pressen! Auf Blattsalat, mit Sauerkraut oder in einer kräftigen Rindsuppe servieren.
Wir wünschen viel Freude und Erfolg beim Nachkochen!